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Für Sie gelesen

"Improving Survey Response. Lessons learned from the European Social Survey"

Ineke Stoop, Jaak Billiet, Achim Koch, Rory Fitzgerald
Wiley, 2010, in englischer Sprache

Ausschöpfung resp. Response rates sind in sozialwissenschaftlichen Studien ein wichtiger Qualitätsindikator. Den Autoren geht es jedoch weniger um die Ausschöpfung an sich, sondern um die Effekte des sog. Nonresponse Bias. Anhand einer 30-Länder Studie zu Einstellungen in Europa zeigen sie sehr ausführlich auf, welche Faktoren die Teilnahmebereitschaft und den Nonresponse Bias beeinflussen. Da es sich beim European Social Survey um eine face-to-face Studie handelt, sind die Aussagen auf diese Methode beschränkt. Interessant sind die im Ländervergleich festgestellten kulturellen Unterschiede alleweil. So hat die Schweiz eine der grössten verweigerungsbedingten Nonresponse Raten. Die Autoren führen dies auf den Umstand der Unpopularität von face-to-face Befragungen zurück, aber auch auf eine vergleichsweise hohe Befragungsbelastung ("Survey burden"). In Ländern, in denen Bevölkerungsumfragen noch wenig populär sind, scheint die Teilnahmebereitschaft allgemein höher zu sein.
Das Buch ist zwar etwas ausführlich (wissenschaftlich) in den Ausführungen zur Feldarbeit und zur Harmonisierung der Messkriterien zwischen den Ländern, es bietet aber auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Teilnahmebereitschaft und zur Messung und Korrektur vom Nonresponse Bias.

Da Ausschöpfung und Nonresponse auch für die Marktforschung ein wichtiges Thema sind, ist das Buch auf jeden Fall auch für versierte Marktforscher und -forscherinnen empfehlenswert.

 

"Was ist eine gute Frage? Die systematische Evaluation der Fragenqualität."

Frank Faulbaum, Peter Prüfer, Margrit Rexroth
VS VERLAG für Sozialwissenschaften, 1. Auflage 2009
 

Aus dem Vorwort:
"Die Qualität von Fragen ist eine wichtige Determinante der Qualität einer Umfrage und damit der Datenqualität. [...] Was eine gute Frage ausmacht, ist nicht so einfach zu beantworten. Der Grund liegt darin, dass die Qualität nicht nur durch Merkmale der Frage und ihrer Ausführungsmodalitäten, sondern auch durch Merkmale der Befragten, insbesondere ihres Leistungsvermögens und ihrer Kompetenz beeinflusst wird."

In einer sehr verständlichen Sprache analysieren die Autoren die verschiedenen Qualitätsaspekte und stellen anschaulich dar, wie inhaltliche und theoretische Validität leiden, wenn den Qualitätsaspekten nicht hinreichend Rechnung getragen wird. Sie streifen sowohl Probleme, die auftreten, wenn Befragte von einer Frage überfordert sind (z.b. sog. satisficing) als auch Effekte, die durch die unterschiedliche Ausgestaltung von Skalen entstehen. Gerade bei Online-Erhebungen sollten zudem neuere Erkenntnisse aus der Wahrnehmungspsychologie und Leserforschung berücksichtigt werden.
Das Buch verdeutlicht Laien auf dem Gebiet der Sozialforschung und Demoskopie, dass die Fragebogenentwicklung definitiv in die Hände von Profis gehört. Umgekehrt bietet es den Profis einen guten Überblick über neuere Forschungen und - das macht das Buch ganz besonders interessant - einen Leitfaden, zur systematischen Evaluation und Überprüfung von Fragen, der mit ganz vielen Beispielen unterlegt ist.